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Aktuelles aus Kenia - Besuche in Kenia - Aktivitäten des Vereins

Besuche in Kenia

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August 2008

Zu Besuch in Wajibu Wetu – Eindrücke von einer Reise Anfang August 2008


Bei meiner Ankunft zeigt sich vorsichtige Skepsis auf den Gesichtern der Kinder: Wer kommt denn da zu Besuch...

Es ist nicht einfach, all die nützlichen Dinge und mitgebrachten Kleidungsstücke passend und gerecht zu verteilen. Jeder wartet gespannt auf das eigene Paket.


Manche Alltagsrituale sind kulturübergreifend gleich: hier die Mädchen beim gemeinsamen Lesen und Kommentieren der Zeitungsneuigkeiten.


Und dann das Abendessen in Wajibu Wetu. Im Wohnzimmer ist alles, auch der letzte Stuhl und die kleinste Sofaecke besetzt. Es ist unglaublich, welche Mengen an Essen hier vorbereitet, gekocht und gegessen werden. Es ist aber auch nicht verwunderlich, denn das Essen im Projekt schmeckt richtig lecker: frischer Salat und/oder Gemüse aus dem eigenen Garten sowie der wöchentliche Speiseplan sorgen für tägliche Abwechslung. Nur zu besonderen Anlässen gibt es Fleisch oder Wurst – der "Hit" bei allen Kids.


Täglich neu sieht man Wäsche, soweit das Auge reicht.

Es ist wirklich super, dass diese täglichen Wäscheberge nun nicht mehr alle mit der Hand in Bückstellung gewaschen werden müssen. Das Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwben hat mit seinem letzten Spendenlauf eine große Waschmaschine erlaufen. Vielen, vielen Dank! Denn so sah es ohne Waschmaschine aus...


Auch eine der Grundschulen dürfen wir besuchen. Der graue Himmel und die Mütze täuschen nicht, es ist richtig kalt – selbst für unser deutsches Temperaturempfinden. Der Grundschulbesuch ist zum Glück seit einigen Jahren kostenfrei, doch die Schulkleidung muss gekauft und das eigene Mittagessen mitgebracht werden. Klassen mit 50 Schülern sind keine Ausnahme, ausreichend Unterrichtsmaterial fehlt überall.

Als besonderes Highlight besuchen wir mit den Jungs den Nairobi National Park. Ein jeder hat sich sorgsam schick gemacht, und aufgeregt und neugierig geht es durch den Park. Da darf das Picknick nicht fehlen. Noch wichtiger sind natürlich die Tiere – hoch über dem Gelände laufen wir auf einem durchgehenden Steg und werden immer wieder fündig. Es gibt viel zu entdecken.


Am Ende des Ausflugs werden wir von Daddy empfangen. Und die Jungs wissen sooo viel zu erzählen, doch George ist ein geduldiger und interessierter Zuhörer.


In der kenianischen Gesellschaft sind Männer, die ihre Verantwortung als Väter ernst nehmen oder überhaupt wahrnehmen, eher die Ausnahme. An welchen „role models“ sollen sich also die kenianischen Buben orientieren? Die Wajibu Wetu Kinder haben Mummy und Daddy, die unbewusst vorleben, dass es funktionieren kann als Familie, mit Vater und Mutter – und auch, was die Aufgaben eines Mannes und Vaters sind.

Für manchen Europäer ist es ein Alptraum – eine Fahrt mit dem Matatu, dem öffentlichen Kleinbus, quer durch Nairobi. Für unsere Jungs aber bedeutet diese Fahrt mit dem angemieteten Kleinbus ein besonderes Vergnügen.

Weil wir gerade beim Auto sind: Wie viele Personen passen in ein Auto? In Kenia immer mehr als in Deutschland, egal welche Autogröße.

Wer bei Kenia in erster Linie an Slums und Unruhen denkt, der findet gleich vor den Toren Nairobis auch Anderes:
Zuerst sieht man einen Kaktus von beeindruckenden Ausmaßen, der Blick schweift über das River Rift Valley und...

...bleibt hängen am Naivasha See. Man ist überwältigt von seiner Größe ( ca. 135 km), von den ca. 1500 Nilpferden sowie der traumhaften Natur, die ihn umgibt und Tieren in freier Wildbahn Raum lässt. Leider ist es sehr ernüchternd, wenn man hört, dass der See in den letzten 20 Jahren beständig an Fläche abgenommen hat und die Prognosen für die Zukunft schlecht stehen...

Aber vorerst macht es den Mädchen und uns großen Spaß, zu Wasser und zu Land.

Dass Mädchen mit 15 oder 16 Jahren schon selbst mit Kind und ohne Schulabschluss da stehen, ist in Kenia keine Seltenheit. In der Wajibu Wetu Familie ist eine ordentliche Ausbildung sehr wichtig, und das erfordert bei weitem mehr Anstrengung als in Deutschland. Schule ist nicht gleich Schule und umsonst sowieso nicht. Zukunftsperspektiven sind gefragt, eigene Pläne und Eigenverantwortung.
In regelmäßigen Abständen treffen sich Jane und die girls zu den Frauengesprächen und George und die boys zu den Männergesprächen. In einer Gesellschaft mit so vielen jugendlichen Müttern, so vielen jungen HIV- positiven Menschen und so vielen Aids -Waisen sind solche Frauen- und Männergespräche von besonderer Dringlichkeit.


Und leider geht auch diese faszinierende Woche zu schnell zu Ende. Zum Abschied feiert die gesamte Wajibu Wetu Familie für und mit uns ein Fest. Und dazu gehört auch der Gottesdienst, heute sogar im Projekt: Stühle stehen bereit, die "girls" proben fleißig für den afrikanischen Gabentanz, die Damen suchen Lieder und Texte heraus und die Jungs - spielen Fußball

Wundervoll war es, ein großes Asante Sana, thank you an Jane und George und die gesamte Wajibu Wetu Familie, Ihr seid eine großartige Familie.

Barbara Krohne